Wir spenden 16.000 Euro Erlös an Obdachlose

Ungefähr fünf Jahre ist es her, dass wir über die Idee sprachen, die Lebensgeschichten von obdachlosen Menschen zu erzählen – um zu erklären, warum in einem reichen Land wie Deutschland Menschen auf der Straße leben, was ihnen zugestoßen ist und die Frage zu beantworten, ob es jeden treffen kann. Im Dezember 2018 ist unser Buch „Draußen sein“ erschienen. Es hat sich schnell verkauft und viele Menschen berührt. Die Obdachlosen selbst haben viel Aufmerksamkeit erfahren und neuen Mut geschöpft haben. 

Ein Beispiel dafür ist Nicki: Sie arbeitet seit dem Sommer in der Firma von Markus Rübsam. Er und seine Frau Dunja sind zwei total engagierte Menschen und auch für den Gute-Nacht-Bus im Einsatz. Markus sagt, dass Nicki ein Glücksfall für seine Firma war. Zurzeit können wir ´die beiden immer dienstags um 20:15 Uhr in der VOX-Dokumentation „Obdachlos – Einzug in ein neues Leben“ sehen. Der Sender hat Nicki ein Jahr lang begleitet. https://www.vox.de/sendungen/obdachlos-tvnow.html

Auch für Rolli ging es bergauf, das ZDF hat ihn kürzlich gezeigt, wie er wieder in eine eigene Wohnung zieht.https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kanne/volle-kanne—service-taeglich-clip-5-obdachloser-rolli-mit-eigener-wohnung-102.html Es gab viel Medienresonanz, aber die Obdachlosen wurden auch einfach von Menschen in der Stadt angesprochen, aufgemuntert und manchmal eingeladen. Zuletzt waren wir bei einem Festball der Schützen. Es war schön zu sehen, wie alle gemeinsam gefeiert haben – in der Mitte der Gesellschaft angekommen.  

Allen porträtierten Menschen aus unserem Buch geht es heute einigermaßen gut und teilweise besser, so dass wir das Projekt mit einem guten Gefühl abschließen. Wir haben der BürgerStiftung Düsseldorf bei unserer letzten Veranstaltung in der Johanneskirche am 18. Februar 2020 den Erlös des Projekts von 16.000 Euro übergeben. Die Stiftung wird das Geld nun an die Einrichtungen in der Stadt verteilen, die mit Obdachlosen arbeiten. 

Die BürgerStiftung hatte uns damals das Projekt überhaupt erst ermöglicht, weil sie uns Sicherheit gegeben hat mit der Zusage, den Druck der ersten Auflage zu finanzieren. Das war nötig, weil uns alle Verlage eine Absage erteilt haben mit der Begründung, dass die Mehrheit der Gesellschaft am Wochenende Gewinner-Geschichten lesen will. Die Antworten fingen immer gleich an: „Ich persönlich finde ihr Projekt sehr spannend, aber …“ Wir wollten uns dadurch aber nicht abbringen lassen und haben uns selbst um alles gekümmert: Texte, Design und Druckauftrag. Wir haben jeden Buchladen selbst beliefert, jede Bestellung zur Post gebracht.  

Das hat viel Mühe gekostet, aber es hat sich gelohnt. Viele Leserinnen und Leser haben uns geschrieben, dass sie Obdachlose künftig mit anderen Augen sehen und auf sie zugehen werden. Manche haben erzählt, dass sie selbst schon in einer Lebenskrise waren, in der sie fast auf der Straße gelandet wären, und mache haben auch einfach ehrlich ihren Respekt für die Porträtierten ausgedrückt und geschrieben, was für starke Menschen das eigentlich sind.